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Advent heißt Warten

Advent heißt warten. Worauf warten Sie in diesen Tagen? Auf’s Christkind – ist doch klar. Oder?

Vorher ist allerdings noch eine Menge zu bewältigen. Geschenke überlegen und finden. Speiseplan für die Feiertage ausdenken, dafür einkaufen. Überhaupt: Feiertage durchplanen, wann welcher Besuch, was macht man miteinander – und wie kann man verhindern, dass sich die liebe Verwandtschaft unterm Christbaum wieder in die Haare kriegt?! Drei Tage Frieden, das sollte doch zumindest im Kleinen hinzukriegen sein? Wenn schon nicht weltweit an Weihnachten drei Tage die Kriegswaffen schweigen.

Worauf also warten Sie in diesen Tagen?
Warten ist in unserer Zeit nicht mehr vorgesehen. Informationen sind rund um die Uhr nurmehr einen Mausklick entfernt. Arbeitsabläufe werden bis ins Detail optimiert, damit ja kein Leerlauf entsteht. Teile werden auf Punkt an die Produktionsstätten geliefert. Digitalisierung kennt keine Schwankungen, erwartet auch von Menschen konstante Leistung. Worauf dürfen wir noch warten?

Lassen wir den Blick einmal abschweifen, weg von unserer gestressten Adventszeit 2017: schon in der Bibel wurde gewartet. Jakob ist der erste, der wartet; und sein Warten greift weit über all das kurzfristig Erreichbare hinaus, auf das, worauf wir im Leben so warten. Kurz vor seinem Tod segnet Jakob seine Nachkommen mit realistischem Blick auf ihre Charakterzüge und Zukunftschancen. Und dann ruft er aus: „HERR, ich warte auf dein Heil!“ Jakob sieht sich, seine Lieben und seine ganze Zeit mit wachem Blick und dann erwartet er inmitten all des Lichts und Schattens, die er vor Augen hat, niemand geringeren als Gott selbst. „HERR, ich warte auf dein Heil!“ – „Gott wird bei den Menschen wohnen; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein. Siehe, ich mache alles neu!“ Was in diesen letzten Versen der Bibel, in der Offenbarung des Johannes, als Hoffnung auf eine andere Zukunft anklingt, das hat Jesus bereits Wirklichkeit werden lassen. Nein, nicht in der großen ganzen Welt, aber in der kleinen Welt um ihn herum. Menschen begannen, zu sich und ihrer Lebensgeschichte zu stehen – und ihre wunden Punkte konnten heil werden. Trübsal durfte Freude weichen, Licht und Wärme wieder in verhärtete Herzen Einzug halten.

Nein, die Welt wurde keine andere. Aber mit Jesus bekam das Leben mitten in dieser Welt wieder einen Sinn. Für die Menschen in seiner Nähe bedeutete Jesus Lebensqualität. Und wir, 2017? Dürfen wir etwas erwarten? Ja. Auch in unserer Zeit, die unter völlig anderen Vorzeichen steht, lässt sich diese Lebensqualität finden. Vorausgesetzt, man erwartet sie überhaupt. Manchmal erkennt man den Sinn mitten in seinem Tun. Oft jedoch erschließt sich erst mit ein wenig Abstand der Wert des eigenen Lebens neu. Zu sehr bestimmen eingespielte Abläufe und Denkschablonen unser tagtägliches Dasein, verstellen bisweilen den Blick für Gottes Gegenwart. Selbst der biblische Jakob musste innehalten und sich neu an Gott erinnern. So könnte es hilfreich sein, sich bewusst zum Warten anzuhalten.

Warum nicht im Advent kleine Pausen einbauen? Vielleicht morgens, über einem Bibelvers innehalten – und damit vor den Tag ein Vorzeichen setzen? Oder mittags, zur traditionellen Zeit des Friedensgebetes? Oder abends, nicht gleich müde in die Kissen sinken, sondern den Tag nochmal bedenken und manchen Punkt Gott anvertrauen? Worauf also warten Sie in diesen Tagen?

Pfarrer Dr. Bernd Rother

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